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Blick auf uns


„Erst im späten Alter erlangt der Mensch ganz eigentlich das horazische nil admirari, d.h. die unmittelbare, aufrichtige und feste Überzeugung von der Eitelkeit aller Dinge und der Hohlheit aller Herrlichkeiten der Welt: die Chimären sind verschwunden. Erwähnt nicht mehr, daß irgendwo, sei es im Palast oder der Hütte, eine besondere Glückseligkeit wohne, eine größere, als im Wesentlichen auch er überall genießt, wenn er von leiblichen oder geistigen Schmerzen eben frei ist. Das Große und das Kleine, das Vornehme und Geringe, nach dem Maßstab der Welt, sind für nicht mehr unterschieden. Dies gibt dem Alten eine besondere Gemütsruhe, in welcher er lächelnd auf die Gaukeleien der Welt herabsieht. Er ist vollkommen enttäuscht und weiß, daß das menschliche Leben, was man auch tun mag es herauszuputzen und zu behängen, doch bald durch allen solchen Jahrmarktsflitter, in seiner Dürftigkeit durchscheint und, wie man es auch färbe und schmücke, doch überall im Wesentlichen dasselbe ist, ein Dasein, dessen wahrer Wert jedesmal nur nach der Abwesenheit der Schmerzen, nicht nach der Abwesenheit der Genüsse, noch weniger des Prunkes, zu schätzen ist. Der Grundcharakterzug des höheren Alters ist das Enttäuschtsein: die Illusionen sind verschwunden, welche bis dahin dem Leben seinen Reiz und der Tätigkeit ihren Sporn verliehen; man hat das Nichtige und Leere aller Herrlichkeiten der Welt, zumal des Prunkes, Glanzes und Hoheitsscheins erkannt, man hat erfahren, daß hinter den meisten gewünschten Dingen und ersehnten Genüssen gar wenig steckt, und ist so allmählich zu der Einsicht in die große Armut und Leere unsere ganzen Daseins gelangt. Gewöhnlich meint man, das Los des Alters sei Krankheit und Langeweile: Erstere ist dem Alter gar nicht wesentlich, zumal nicht, wenn dasselbe hoch gebracht werden soll, denn; wächst das Leben, so wächst mit ihm auch Kraft und Gesundheit. Und was die Langeweile betrifft, so habe ich oben gezeigt, warum das Älter ihr sogar weniger, als die Jugend, ausgesetzt ist: auch ist dieselbe durchaus keine notwendige Begleiterin der Einsamkeit, welcher, aus leicht abzusehenden Ursachen, das Alter uns allerdings entgegenführt; sondern sie ist es nur für diejenigen, welche keine anderen, als sinnliche und gesellschaftliche Genüsse gekannt, ihren Geist unbereichert und ihre Kräfte unentwickelt gelassen haben. Zwar nehmen, im höheren Alter, auch die Geisteskräfte ab: aber wo viel war, wird zur Bekämpfung der Langeweile immer noch genug übrig bleiben.

Sodann nimmt, wie oben gezeigt worden, durch Erfahrung, Kenntnis, Übung und Nachdenken, die richtige Einsicht immer noch zu, das Urteil schärft sich und der Zusammenhang wird klar; man gewinnt, in allen Dingen, mehr und mehr eine zusammenfassende Übersicht des Ganzen: so hat dann, durch immer neue Kombinationen der aufgehäuften Erkenntnisse und gelegentliche Bereicherung derselben, die eigene innerste Selbstbildung, in allen Stücken, noch immer ihren Fortgang, beschäftigt, befriedigt und belohnt den Geist. Durch dieses alles wird die erwähnte Abnahme in gewissem Grade kompensiert. Zudem läuft, wie gesagt, im Alter die Zeit viel schneller, was der Langeweile entgegenwirkt. Die Abnahme der Körperkräfte schadet wenig, wenn man ihrer nicht zum Erwerbe bedarf. Armut im Alter ist ein großes Unglück. Ist diese gebannt und die Gesundheit geblieben; so kann das Alter ein sehr erträglicher Teil des Lebens sein. Bequemlichkeit und Sicherheit sind seine Hauptbedürfnisse: daher liebt man im Alter, noch mehr als früher, das Geld, weil es den Ersatz für die fehlenden Kräfte gibt. Von der Venus entlassen, wird man gern eine Aufheiterung beim Bacchus suchen. An die Stelle des Bedürfnisses zu sehn, zu reisen und zu lernen ist das Bedürfnis zu lehren und zu sprechen getreten. Ein Glück aber ist es, wenn dem Greise noch die Liebe zu seinem Studium, auch zur Musik, zum Schauspiele und überhaupt eine gewisse Empfänglichkeit für das Äußere geblieben ist; wie diese allerdings bei einigen bis ins späteste Alter fortdauert. Was einer »an sich selbst hat«, kommt ihm nie mehr zu gute, als im Alter. Die meisten freilich, als welche stets stumpf waren, werden im höheren Alter mehr und mehr zu Automaten: sie denken, sagen und tun immer dasselbe, und kein äußerer Eindruck vermag mehr etwas daran zu ändern oder etwas neues aus ihnen hervorzurufen. Zu solchen Greisen zu reden, ist wie in den Sand zu schreiben: der Eindruck verlischt fast unmittelbar darauf. Ein Greisentum dieser Art ist denn freilich nur das Totengesicht des Lebens. – Den Eintritt der zweiten Kindheit im hohen Alter scheint die Natur durch das, in seltenen Fällen, alsdann sich einstellende dritte Zahnen symbolisieren zu wollen.

Das Schwinden aller Kräfte im zunehmenden Alter, und immer mehr und mehr, ist allerdings sehr traurig: doch ist es notwendig, ja wohltätig: weil sonst der Tod zu schwer werden würde, dem es vorarbeitet. Daher ist der größte Gewinn, den das Erreichen eines sehr hohen Alters bringt, die Euthanasie, das überaus leichte, durch keine Krankheit eingeleitete, von keiner Zuckung begleitete und gar nicht gefühlte Sterben. Im Upanischad des Veda wird die natürliche Lebensdauer auf 100 Jahre angegeben. Ich glaube mit Recht; weil ich bemerkt habe, daß nur die, welche das 90. Jahr überschritten haben, der Euthanasie teilhaft werden, d.h. ohne alle Krankheit, auch ohne Apoplexie, ohne Zuckung, ohne Röcheln, ja bisweilen ohne zu erblassen, meistens sitzend, und zwar nach dem Essen, sterben, oder vielmehr gar nicht sterben, sondern nur zu leben aufhören. In jedem früheren Alter stirbt man bloß an Krankheiten, also vorzeitig.

Das menschliche Leben ist eigentlich weder lang, noch kurz zu nennen; weil es im Grunde das Maß ist, wonach wir alle andern Zeitlängen abschätzen. –

Der Grundunterschied zwischen Jugend und Alter bleibt immer, daß jene das Leben im Prospekt hat, dieses den Tod; daß also jene eine kurze Vergangenheit und lange Zukunft besitzt; dieses umgekehrt. Allerdings hat man, wenn man alt ist, nur noch den Tod vor sich, aber wenn man jung ist, hat man das Leben vor sich; und es fragt sich, welches von beiden bedenklicher sei, und ob nicht, im ganzen genommen, das Leben eine Sache sei, die es besser ist hinter sich, als vor sich zu haben: sagt doch schon Koheleth: »der Tag des Todes ist besser denn der Tag der Geburt.« Ein sehr langes Leben zu begehren, ist jedenfalls ein verwegener Wunsch. Denn: wer lange lebt, hat viel Leid zu ertragen, sagt das spanische Sprichwort.“

A.S.

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Hurra der Tod ist da!

„Die Trauser haben in allem anderen die gleichen Sitten wie die übrigen Thraker, bei einem Neugeborenen jedoch und bei einem Sterbenden verfahren sie so: (2) Um das Neugeborene setzen sich die Verwandten im Kreis herum und klagen, wie viele Leiden es, nachdem es nun einmal geboren ist, erdulden muss, wobei sie alle menschlichen Leiden auflisten, den Verstorbenen aber bestatten sie scherzend und sich freuend, wobei sie aufzählen, von wie vielen Leiden befreit er sich nun in völliger Glückseligkeit befindet.“

Diese Geschichte von Herodot zeigt uns, wie klar die Menschen früher schon ihre Existenz gesehen haben. Heute sind wir nicht weiter sondern blinder.

 

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Die Juwelen meines Lebens

Die Juwelen meines Lebens bestehen nicht aus Geld und Gold. Meine Schätze finden sich in Büchern und diese habe ich auch nur gefunden, weil ich Antworten wollte auf die Fragen der Welt, die über Bertolt Brecht´s „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“ hinausgehen.

Die Bücher, die mich wissentlich am meisten beeinflusst haben, sieht man hier. Für mein Leben sind es wahre Schätze – andere würden sie verächtlich wegwerfen.

Natürlich gab es noch viel mehr, wie z.B. George Orwell, Bertolt Brecht. Ich habe mir über die Jahre eine dicke Kladde angelegt. 

Aber letztlich bleibt nichts.

Man geht dahin zurück, wo man herkommt.

Aber diese Bücher haben mir geholfen, dies zu sehen und das, was ich auf der Welt sehe und erlebe, zu verstehen.

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Der #Aufschrei nach dem Sex oder Furcht vor der dauerlosen Gegenwart

Angesichts des Elends der Welt in sich und um sich herum sucht der Mensch Unterhaltung und den schönen Schein.

„Oberstes Ziel ist das Überleben, gefolgt von Sex“ schreibt der Psychologe Paul Verhaege.

Und schon lange vor der Entdeckung der Psychoanalyse schrieb Schopenhauer „Wollust im Akt der Kopulation. Das ist es! Das ist das wahre Wesen und der Kern der Dinge, das Ziel und Zweck allen Daseins.“

David Yalom hat sehr schön zusammengefaßt, wie sich unsere Weltsicht entwickelt hat: „Oft schon wurde festgestellt, daß drei wichtige geistige Umwälzungen die Idee von der zentralen Stellung des Menschen bedroht haben. Als Erster demonstrierte Kopernikus, dass die Erde nicht der Mittelpunkt ist, um den sich alle anderen Himmelskörper drehen. Als Nächster zeigte uns Darwin, dass wir keine zentrale Rolle in der Kette der Evolution spielen, sondern wie alle anderen Geschöpfe aus anderen Lebensformen entstanden sind. Und drittens erklärte uns Freud, daß wir in unserem eigenen Hause nicht die Herren sind – ein Großteil unseres Verhaltens werde von Kräften ausserhalb unseres Bewusstseins beherrscht. Es besteht kein Zweifel daran, dass Freuds verkannter Mitrevolutionär Arthur Schopenhauer war, der schon lange vor Freuds Geburt postulierte, dass wir von tiefgreifenden biologischen Mächten gesteuert werden und uns dann einbilden, wir hätten unser Schicksal bewusst gewählt.“ (339)

Und Schopenhauer führt uns unsere aktuelle Lebenssituation vor und denkt sie zu Ende: „Arbeit, Plage, Müh und Not ist allerdings ihr ganzes Leben hindurch das Los fast aller Menschen. Aber wenn alle Wünsche, kaum entstanden, auch schon erfüllt wären; womit sollte dann das menschliche Leben ausgefüllt, womit die Zeit zugebracht werden? Man versetze dies Geschlecht in ein Schlaraffenland, wo alles von selbst wüchse …- Da werden die Menschen zum Teil vor Langeweile sterben oder sich aufhängen, zum Teil aber einander bekriegen, würgen und morden und so sich mehr Leid verursachen, als jetzt die Natur ihnen auflegt.“

Das Leben von Widersprüchen, die Unbeständigkeit und der Tod sind die einzigen Konstanten menschlicher Existenz.

Sex ist der Schlüssel, das Kopftuch symbolisiert dies perfekt als Ausdruck männlicher Macht über weibliche Sexualität.  Der Islam zeigt es vielleicht am Plakativsten aber es ist auch Teil des Christentums.

Sex ist zudem die Grundlage unserer Existenz und unserer menschlichen Rasse. Psychoanalytiker sagen sogar die Unterdrückung von Sexualität sei die Basis unserer Leistungsgesellschaft.

Sex sells, Erotik verkauft …

Der Mensch ist so beschaffen, dass er das Gewicht von 24 Stunden tragen kann. Die Meditation o.ä. kann dir dabei helfen, leer zu werden, um bei dir zu sein. Die Rückkehr in die soziale Welt danach ist zugleich der Eintritt in die Welt der Wesen, die alle ihre  jeweils eigene Welt sind mit bestimmten Interessen zu bestimmten Zeiten.

Das ist das Schicksal der Menschen – von uns.

„In einem Leben, welches bloß aus dauerloser Gegenwart bestanden hat und jetzt zu Ende ist“ schreibt Schopenhauer.

Dieser Pessismismus oder Realismus wird natürlich vielfach „überwunden“ durch Verdrängen oder den Glauben an das Himmelreich in jeder Form und Farbe.

Hier sind wir frei uns zu entscheiden, was wir sehen und was wir glauben wollen. Das Anerkennen der Realität kann so schmerzhaft sein, daß nicht jeder es aushalten kann.

Wer z.B. einmal eine lange tiefenpsychologische Analyse gemacht hat, der weiß vielleicht wie es sich anfühlt, wenn man viele Monate vor seelischen Schmerzen mit körperlichen Wirkungen durch neue Erkenntnisse über die nun sichtbaren Elemente der eigenen Lebensgeschichte, die vorher im Verborgenen wirkten, sich ein Ende wünscht.  Dabei wird klar, daß nur der Weg dadurch mehr Gleichgewicht und Ausgleich im eigenen Leben möglich machen kann.  Aber das stimmt auch nur bedingt, weil mehr Verstehen zwar andere Reaktionen ermöglicht aber die Bedingungen der Existenz bleiben. Man wird gedanklich freier und diese Freiheit ermöglicht mehr emotionale Sicherheit und verändertes Handeln. Das ist sehr viel.

Für mich ist dabei faszinierend, daß durch das Sprechen in der tiefenpsychologischen Analyse das Unterbewusstsein sich plötzlich einmischt und Gedanken freisetzt, die ins Gespräch fliessen, alles neu bewerten und innerlich dann Erleichterung bringen können. Das Verdrängte spricht. Plötzlich ist der Gedanke da. Und die Umlenkung des Blicks durch professionelle Gesprächspartner öffnet dann die Vorhänge, die Blicke möglich machen, die kaum auszuhalten sind bis man die Kraft hat sich dem zu stellen. So kann manches leichter werden im eigenen Leben.

Aber immer muß etwas reif sein und es muß in Worte gefaßt werden können. Wo dies nicht möglich ist sind andere Formen als Ausdruck des Unbewußten möglich, Handlungen, Haltungen und Hoffnungen zwischen Kunst und Gewalt.

So ende ich hier im Bewusstsein, daß dieses Ende nur ein weiterer Schritt in der Unbeständigkeit des Lebens ist.